Offener Brief an unsere Politiker und Volksvertreter
Sehr geehrte Damen und Herren,
als von uns Bürgern gewählter Volksvertreter wende ich mich an Sie, mit der selbstverständlichen Bitte, unsere Interessen zu vertreten.
Als die öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten zum Leben gerufen wurden, war deren Aufgabe klar definiert und vom Volk in seiner Mehrheit als Notwendigkeit akzeptiert. Das klare Ziel, für eine Grundversorgung von Hörfunk und Fernsehen zu sorgen, hat auch heute nicht an Bedeutung verloren und wird weiterhin von großen Teilen der Bevölkerung als eine wichtige Aufgabe verstanden.
Aber wie definiert sich heute die Grundversorgung? Solange dieser Punkt nicht eindeutig geklärt ist, wird dessen Definition von den unterschiedlichen Interessenvertretern nach Belieben ausgelegt. Daher ist die erste Forderung, die eindeutige und unmissverständliche Definition der Grundversorgung.
Obwohl der Begriff der Grundversorgung zurzeit nicht eindeutig definiert ist, ist es für die weiteren Überlegungen sicher korrekt, sich an den kollektiven Verstand der Bürger dieses Landes anzulehnen. Die Grundversorgung wird von großen Teilen der Bevölkerung als die Zurverfügungstellung von Infrastruktur und Dienstleistungen für die gesamte Bevölkerung zu einem angemessenen und für jeden bezahlenden Preis verstanden. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollten in erster Linie der Bevölkerung ein neutrales Informations- und Kulturangebot als Gegenpol zu den privaten Rundfunkanstalten anbieten. Reine Unterhaltung wird von der Bevölkerungsmehrheit nicht als notwendige Grundversorgung verstanden.
Mit der Zeit wurden die öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten immer größer und deren Anzahl stieg stetig. Wenn ich richtig recherchiert habe, verfügen die öffentliche-rechtlichen Rundfunkanstalten heute über 23 Fernseh- und 69 Hörfunkprogramme.
Diese große Programmvielfalt hat mit dem ursprünglichen Ziel der Grundversorgung nichts mehr gemein. In allen Bevölkerungskreisen ist der Unmut über die jetzige Überversorgung an staatlichen Medien zum Teil sehr groß. Ich möchte hier nur einige der vielen Punkte aufführen, die zum Unmut der Bevölkerung führen:
-
Grundversorgung: Dieser ist der zentrale Punkt, welcher
unbedingt schnell und für alle Bürger unmissverständlich definiert
sein sollte. Wenn der Bürger gezwungen wird, die Grundversorgung zu
finanzieren, will er selbstverständlich wissen, wofür er schließlich
bezahlen muss. Die Definition der Grundversorgung sollte auf jeden
Fall von einer neutralen Seite vorgenommen, wobei die Bevölkerung
eng mit einbezogen werden sollte.
- Finanzierung: Es ist unstrittig,
dass diese große Medienvielfalt Unsummen an Geldern verschlingt.
Diese von der Bevölkerung in diesem Ausmaß nicht bestellte
Medienvielfalt wird von uns allen finanziert, auch wenn man die
angebotenen Inhalten gar nicht nutzt bzw. nutzen will. Die
Bevölkerung versteht nicht, dass man für die
öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten im Jahr 2007 über eine
Milliarde EUR mehr benötigte als das gesamte Bruttoinlandsprodukt
Boliviens im Jahre 2005.
- Art der Gebührenerhebung: Die
Art und Weise der Gebührenerhebung ist ebenfalls ein Dauerärgernis.
Alleine das Bereithalten von Geräten zwingt zur Zahlung, auch wenn
man diese weder zum Fernsehen noch zum Radiohören nutzt. Beispiele
hierfür gibt es sehr viele wie u. a. Geräte in Ferienwohnungen oder
PC mit Internetanschluss. Auch hier versteht die arbeitende
Bevölkerung nicht, dass ab dem 1. Januar 2007 PCs
rundfunkgebührenpflichtig seien sollen. Ganz dreist ist dabei die
Tatsache, dass Steuererklärungen nur noch Online durchgeführt werden
können, wodurch auch der kleinste Unternehmer gezwungen war, einen
internetfähigen dafür PC anzuschaffen. Im gleichen Atemzug wurde
dann dieser Unternehmer zur Zahlung von Rundfunkgebühren
verpflichtet.
- GEZ: Die Gebühreneinzugszentrale
treibt viele Bürger zur Weißglut. Das geht soweit, dass es
mittlerweile viele Bücher darüber schreiben, Internetforen und ganze
Webseiten sowie Zeitschriften und Tageszeitungen sich damit
befassen, im Privaten darüber diskutiert wird und sogar bundesweit
agierende Verbände die Methoden dieses Organs ablehnen. Mit der GEZ
wurde ein Organ geschaffen, welches der normale Bürger als „über dem
Gesetz“ empfindet. Man ist hoffnungslos auf Willkür ausgeliefert,
wenn man z. B. durch einen auf Provisionsbasis arbeitenden
Rundfunkgebührenbeauftragten zwangsangemeldet und womöglich zur
Nachzahlung aufgefordert wird. Der normale Bürger kann sich nicht
zur Wehr setzen und empfindet dies (mit Recht, wie ich meine) als
großes Unrecht. Er spürt einerseits die ganze Macht des Systems und
anderseits seine eigene Machtlosigkeit gegenüber desselben.
- Gefahr der Meinungsvielfalt: Die
Übermacht der öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten wird von
vielen sehr kritisch betrachtet, denn es entsteht mit deren
wachsenden Ausbreitung ein Ungleichgewicht zu den privat
finanzierten Medien.
- Unfairer Wettbewerb: Die große Anzahl von
öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten und deren durch
Zwangsgebühren gesicherte Finanzierung schaffen einen unfairen
Wettbewerb in der Medienlandschaft. Kleine Private müssen sich
ausschließlich aus Werbeeinnahmen finanzieren, was durch die
zunehmende Macht der öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten
immer schwieriger wird.
- Neuartige Empfangsgeräte: Nun sollen auch Handys, PCs uns sonstige nicht näher definierte Empfangsgeräte ebenfalls rundfunkgebührenpflichtig sein. Die Liste der rundfunkgebührenpflichtigen Empfangsgeräte wird immer größer und somit die Anzahl der rundfunkgebührenpflichtigen Bürger, obwohl die große Zahl ihre Handys zum telefonieren und ihre PCs für die Arbeit benutzen. Das versteht keiner mehr und es wird als Unrecht empfunden.
Ich könnte diese Liste noch lange fortführen. Ich denke jedoch, dass die hier aufgeführten Punkte ausreichend diesen Missstand dokumentieren, so dass ich auf weitere zunächst verzichten möchte.
Ich habe mich in den letzten Monaten mit dem System der öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten befasst und festgestellt, dass das aktuelle System von der Bevölkerung zutiefst abgelehnt wird. Wenn man ein wenig recherchiert und sich mit diesem Thema befasst, erkennt man schnell, dass aus der ursprünglichen Idee einer Grundversorgung ein riesiger Apparat entstanden ist, der sich oft fast jeder Kontrolle entzieht und sich immer mehr verselbstständigt.
Die Finanzierung dieses Apparates ufert aus und wir Bürger sind nicht mehr bereit, es weiterhin kommentarlos zu tragen. Es muss eine grundlegende Reform mit einer spürbaren Verschlankung des gesamten Systems stattfinden.
Wir Bürger sind gerne bereit, eine Grundversorgung in Form eines neutrales Informations- und Kulturangebotes zu finanzieren. Wenn man sich wirklich auf diese Grundversorgung besinnt, entstünde ein schlankes System, welches nur ein Bruchteil dessen kosten würde, was heute der große Tanker bestehend aus 23 Fernseh- und 69 Hörfunkprogrammen kostet. Das schlanke System könnte aus Steuermitteln z. B. in Form einer Kopfpauschale finanziert werden, womit das Organ der GEZ vollkommen überflüssig würde.
Dass ein Systemwechsel dieser Größenordnung nicht über Nacht gehen kann, ist jedem klar. Aber irgendwann muss jemand damit beginnen, bevor es zu weiteren Systemauswüchsen kommt, das System der öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten zu reformieren. Man darf nicht weiterhin den Fehler machen, das Volk zu ignorieren. Hier unten kocht es kräftig und es tut sich was. Wenn das Volk weiter ignoriert wird, dürfen sich Politiker und Volksvertreter nicht über die Abwanderung von Parteimitgliedern zu Randparteien, den Verlust von Wählerstimmen und Politikverdrossenheit beklagen.
Daher bitte nicht vergessen, dass wir mit unseren Stimmen diejenigen sind, die Sie als unseren Volksvertreter gewählt haben. Als solcher erwarten wir von Ihnen, dass Sie uns vertreten und sich in dieser Sache stark machen.
Dieser Brief wird samt Empfängerliste und Antworten im Internet publiziert und ständig aktuell gehalten, damit alle Interessenten sich ein Bild über die Unterstützung ihrer Volksvertreter und den Stand der Dinge machen können.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns in dieser Sache unterstützen könnten.
Mit freundlichen Grüßen
Dipl.-Ing. René Ketterer Kleinsteuber
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